Geschichte unseres Ortes

1923 schlossen sich die Orte Neuhaus, Schierschnitz, Buch, Gessendorf mit Altenberg (Einzelhof) und Mark zur Gemeinde Neuhaus-Schierschnitz zusammen.
Ältester Siedlungsteil ist das bereits 1162 erstmals urkundlich genannte Mark („in villa Marcha“ – so viel wie „Grenzsiedlung“), eine fränkische Gründung. Aus der Marker Flur ist aber schon ein Fund aus der Jungsteinzeit (ein Steinbeil aus dem Spätneolithikum) bekannt. 1315 wird Neuhaus als „zu deme Nuwenhuis“ („zum Neuen Haus“, also der Burg Neuhaus) erwähnt. Die gleichnamige Siedlung entstand allerdings wohl erst später unterhalb der erst schaumbergischen und dann hennebergischen Burg. 1340/47 wird Schierschnitz als „Schirsnitz“ erstmals urkundlich genannt.
Da sich der Ortsname auf das slawische „Siasenica“ („Ort, wo es Hornissen gibt“) zurückführen lässt, wird hier schon ein sehr früher Siedlungskeim (7./8. Jahrhundert; eine Niederlassung der so genannten „Mainwenden“ oder von Sorben?) vermutet. Buch („Siedlung am Buchenwald“ wird – auch in dieser Namensform – 1355 erstmals genannt. Gessendorf taucht 1340/47 als „Geisendorf“ („Dorf des Geiso“ oder aber „Dorf am fließenden Wasser“) erstmals auf. Alle genannten Orte gehörten schon im 14. Jahrhundert zum Halsgerichtsbezirk Neuhaus und zum weltlichen, zunächst sachsen-meißnischen, dann vor allem sachsen-coburgischen und zuletzt sachsen-meiningischen Amt Neuhaus (bis 1829). Kirchlich gehörten sie hingegen ab 1421 zur neuen, von der Urpfarrei Kronach losgelösten Pfarrei Schierschnitz. Neuhaus entwickelte sich an der Schwelle zur frühen Neuzeit zum Marktflecken, doch blieben Ansätze zu einer städtischen Entwicklung im 16. Jahrhundert in den Anfängen stecken. Unter den Neuhäuser Amtmännern haben vor allem die Herren von Gottsmann (Gotzmann; 1532-1611) und die Metickes (18. Jahrhundert) sehr segensreich für Amt und Ort gewirkt. Man denke nur an die von ihnen 1575/80 beziehungsweise 1776/77 erlassenen Dorfordnungen, die das Leben vor Ort bis ins Detail regelten.

 

Geschichte 1

 

1592/93 wurde die spätgotische Neuhäuser Dreifaltigkeitskirche errichtet. Diese Familienkirche und Grablege der Gottsmann löste alsbald die, in ihren baulichen Ursprüngen auf das 11./12. Jahrhundert zurückgehende Schierschnitzer Kirche (die heutige Auferstehungskapelle) als Pfarrkirche ab. Im Dreißigjährigen Krieg, insbesondere in den Jahren 1632-1634 erlitten sowohl Neuhaus als die umliegenden Dörfer - auch verursacht durch ihre Lage an der in den Kriegswirren viel genutzten Heer- und Handelsstraße Eger (Cheb)-Kronach-Eisfeld-Werragrund - schwerste Zerstörungen und Bevölkerungsverluste. Es erfolgte jedoch eine relativ rasche Erholung durch zahlreiche Zuzüge und das Aufblühen der Handwerke vor Ort. Daneben wurde von den meisten Einwohnern stets auch Landwirtschaft betrieben. Zudem gewann die Bierbrauerei (Kommunebraugemeinde mit Bannmeile) eine gewisse Bedeutung. Nachdem schon 1756 im Gebiet zwischen Neuhaus und Stockheim bedeutende Steinkohlenlager entdeckt worden waren, nahm mit ihrer intensiven Erschließung seit den 1820er Jahren sowie mit den Aufbau bedeutender Hüttenwerke bei Neuhaus/Buch durch den Lexikographen und Unternehmer Joseph Meyer (1796-1856) die Industrialisierung ihren Lauf, die später vor allem durch die Herren von Swaine fortgeführt und vorangetrieben wurde. Der Wirtschaftsboom ging mit einer Bevölkerungsexplosion einher.

Während aus Neuhaus eine, bald stark von der Sozialdemokratie beeinflusste Arbeiterhochburg wurde, die dies auch nach Einstellung des Steinkohlenbergbaus (1911) blieb, behielten die umliegenden kleineren Orte noch ihr ländliches Gepräge. Anfang des 20. Jahrhunderts gesellte sich, begünstigt durch den Eisenbahnanschluss (1900), zur metallurgischen Industrie („Ernestinenhütte“) noch die Porzellanindustrie (Marseille), welche später unter Regie von Siemens- Schuckert eine bedeutende Blüte erleben sollte, die bis zum Zweiten Weltkrieg anhielt. Im  Dritten Reich war Neuhaus-Schierschnitz eine Bastion des Widerstands der  „Bekennenden Kirche“ gegen die von den Nazis dominierten „Deutschen Christen“. Die kriegswichtige Produktion im Siemens-Werk wurde mit bedeutendem Fremdarbeiter-Einsatz abgesichert. 1945 befreiten US-Truppen Neuhaus-Schierschnitz  kampflos, wichen jedoch schon bald der sowjetischen Besatzungsmacht.
Zu DDR-Zeiten blieb Neuhaus-Schierschnitz, obwohl Grenzort und Standort einer Grenzkompanie geworden, auch weiterhin ein bedeutender Industriestandort und hatte für die Republik vor allem durch die Zündkerzen- und Isolatorenproduktion wirtschaftspolitisch nationale Bedeutung. Auch Kultur und Sport blühten. Zudem wurde der Ort zu einem wichtigen Schulstandort (Zentralschulfunktion fürs Umland).

Grenzöffnung und Wiedervereinigung machten aus der 40 Jahre von der SED dominierten Grenzgemeinde wieder einen, unter bis heute andauernder kontinuierlicher CDU-Führung demokratisch regierten Ort im Herzen Deutschlands. Der wirtschaftliche Kollaps des VEB Elektrokeramische Werke Sonneberg (EKS) nach der Wende führte zur Entstehung großer Industriebrachen, die aber größtenteils wiederbesiedelt werden konnten. Außerdem wurden neue Gewerbegebiete an der B 89 erschlossen. Eine Fülle von Betriebsneuansiedlungen kompensierte teilweise den großen Arbeitsplatzverlust vor Ort unmittelbar nach der Wende. Vor allem die in weiten Teilen marode Infrastruktur erfuhr nach 1990 eine grundlegende Sanierung. Der bereits 1968/70 eingestellte Zugverkehr wurde allerdings nicht wieder aufgenommen, die einstige Bahnlinie Sonneberg/Köppelsdorf-Stockheim demontiert. 1993 erweiterte sich Neuhaus- Schierschnitz um die Ortsteile Lindenberg, Sichelreuth und 1994 um Rotheul. In der Gemeinde sind viele Vereine aktiv, die nach 1990 zu den wichtigsten Trägern der Kultur vor Ort geworden sind.
Insbesondere Gessendorf und Mark sind zu bevorzugten Standorten für Eigenheim-Neubauten avanciert, während marode Bausubstanz in Größenordnungen abgeräumt wurde. So hat in den letzten beiden Jahrzehnten das Ortsbild von Neuhaus-Schierschnitz einen grundlegenden Wandel erfahren.