Rotheul

Der in einem zwischen 1323 und 1328 entstandenen Urbar (Besitzstandsverzeichnis) der Bischöfe von Bamberg erstmals als „Rodwel“ (wohl auf den slawischen Personennamen Rodobyl oder Radobyl zurückgehend) bezeichnete Ort ist einzigartig in Thüringen. Auf nährstoffarmen Sandboden entstanden, scheint er während des 14. Jahrhunderts zeitenweise wieder verlassen gewesen zu sein. Zunächst im Besitz des Benediktinerklosters Michelsberg (bei Bamberg) ging Rotheul 1343 ans Zisterzienserkloster Langheim (bei Lichtenfels). Im 15. Jahrhundert war Rotheul im Besitz der Rittergüter Hassenberg und Lindenberg. Es unterstand dem Gericht Hassenberg, gehörte jahrhundertelang zu Sachsen-Coburg und kam erst 1826 zum Herzogtum Sachsen-Meiningen. Die Streusiedlungen (Wustungen) südlich und westlich des Ortes entstanden mehrheitlich erst während des 16. und 17. Jahrhunderts.

Rotheul

 

Wie der Kernort selbst wurde ein Teil von ihnen jedoch im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Die heute umfangreichen Waldungen rund um Rotheul und die Wustungen sind erst ein Resultat der Aufforstungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Bewohner ernährten sich früher hauptsächlich von der Landwirtschaft, später auch vom Holzhandel und der Arbeit in den Bergwerken des Neuhaus- Stockheimer Steinkohlenreviers. Die Lage im Sperrgebiet beziehungsweise Schutzstreifen an der innerdeutschen Grenze (auch Standort einer Grenzkompanie) verhinderten zur DDR-Zeit eine nennenswerte Siedlungsverdichtung. Stattdessen kam es auch zu willkürlichen Aussiedlungen. Nach der Wende beherbergte die einstige Kompanie eine Schulungseinrichtung für russlanddeutsche Spätaussiedler. Zum 30. Juni 1994 wurde die selbstständige Gemeinde an Neuhaus- Schierschnitz angeschlossen. Der Rotheuler Wustungsdistrikt ist heute Denkmalensemble und Lebensort seltener Pflanzen und Tiere.